Heroes Of Tomorrow gewinnen Nervenschlacht gegen Tübingen 82:81

De’Mon Brooks sichert medi bayreuth per Buzzer-Beater den 18. Saisonsieg

Jeder der 3.119 Zuschauer in der Oberfrankenhalle wird diese Partie zwischen medi bayreuth und den WALTER Tigers Tübingen sicherlich so schnell nicht vergessen. Da schien medi bayreuth die Partie 15 Sekunden vor dem Ende schon so gut wie gewonnen zu haben, als die Tigers mit Dreiern von Alvaro Munoz und Barry Stewart das Spiel mit weniger als einer Sekunde Spielzeit nochmals komplett auf den Kopf stellten.

Die Gäste führten und kaum einer hätte noch einen Pfifferling auf das Team von Head Coach Raoul Korner gegeben. Der Österreicher aber zauberte in seiner letzten Auszeit einen finalen Spielzug auf sein Taktikboard, welchen sein Team perfekt umsetzen und in den Sieg bringenden Korberfolg verwandeln sollte. Nate Linhart spielte aus dem Einwurf den idealen Pass direkt unter den Korb exakt in die Hände von De’Mon Brooks, der zuvor stark von Kyan Anderson freigeblockt worden war. Brooks ging hoch, der Ball zum 82:81 in den Korb und der kurz zuvor durch den Stewart-Dreier scheinbar geplatzte Traum vom zehnten Heimsieg war plötzlich wieder Realität. Und spätestens nachdem Schiedsrichter Robert Lottermoser nach Kontrolle des Instant Replay den Korberfolg bestätigte, löste sich auch die Schockstarre bei den Fans in eine stimmungsvolle Siegesfeier.

Der 18. Saisonsieg der Heroes Of Tomorrow gewann an diesem 26. Spieltag noch an zusätzlichem Wert, da alle direkten Konkurrenten der Bayreuther um den vierten Tabellenplatz - Berlin, Bonn und Oldenburg - an diesem Spieltag verloren.   

Das sagt David Gonzalvez

“Tübingen war in der ersten Halbzeit das aggressivere Team. Ich denke, das haben wir in der Halbzeit endgültig realisiert. Wir wollten in der zweiten Halbzeit den Kampf annehmen und das aggressivere Team sein. Das haben wir auch geschafft. Wir konnten einige Big Plays machen und haben den Weg zurück ins Spiel gefunden. Jeder hat heute Abend das gemacht, was er konnte, wir haben das Spiel zusammen gewonnen. Das Ende war natürlich verrückt, für uns und für die Fans. Tübingen hätte das Spiel auch verdient gewonnen. Ich habe schon viele Spiele bestritten, an ein ähnliches Ende kann ich mich nicht erinnern. Dieses Spiel werde ich so schnell nicht vergessen. Ich persönlich habe heute das gemacht, was meine Aufgabe ist. Ich habe Energie ins Spiel gebracht und dem Team einen Boost verschafft. Der Funke ist übergesprungen, noch dazu konnte ich ein paar Würfe nehmen und treffen. Für mich war es die Art von Spiel, die ich gerne spiele.”

Die Partie kurz zusammengefasst

Der bessere Start ins Spiel gelang den Heroes Of Tomorrow, die unter anderem durch einen Lewis-Dreier und nach Punkten von Assem Marei mit 8:4 (3.) in Führung lagen. Dann allerdings drehte Tübingen die Partie - Isaiah Philmore traf zweimal von jenseits der 6,75 Meter zum 12:10 (7.). medi bayreuth hielt dagegen und kam, ebenfalls durch erfolgreiche Distanzwürfe von Bastian Doreth und David Gonzalvez, zum 16:12 (9.). Das Viertel ging allerdings dennoch an die Gäste: Barry Stewart traf zweimal in der letzten Minute zum 20:16 - für diesen Abschnitt fast schon “selbstverständlich” von jenseits der Dreierlinie.

Im zweiten Abschnitt wussten die Gäste ihre Führung zu verteidigen und sogar auszubauen. Stanton Kidd sorgte per Dunking zum 24:16 (12.) und machte so einen 10:0 Lauf perfekt. Ebenfalls per Dunking besorgte der frühere Bayreuther Center Gary McGhee die erste zweistellige Führung der Tigers - 31:20 (14.). Doch die Heroes Of Tomorrow steckten nicht auf und kamen durch Dreier von Kyan Anderson und Trey Lewis wieder auf 29:33 (15.) heran. Dass es nicht noch enger wurde, lag an weiteren Treffern von jenseits des Perimeter. Stanton Kidd und Jared Jordan nahmen Maß und sorgten für das 42:33 (19.). Mit der Halbzeitsirene erzielte Alvaro Munoz das 46:38 für Tübingen.

Auch im dritten Viertel spielten zunächst fast nur die Gäste. Schon mit dem ersten Korb war die Führung wieder zweistellig und in der 24. Minute war nach einem Washburn-Dunking die höchste Gäste-Führung des Abends perfekt - 53:40. Dann allerdings kam David Gonzalvez zurück auf das Spielfeld und er hatte viel Energie im Gepäck. Ein Ruck ging durch das medi-Team, De’Mon Brooks verkürzte per 3-Punkt-Spiel auf 50:57 (26.). Zähler um Zähler wurde nun aufgeholt und Gonzalvez selbst steuerte das umjubelte 59:61 (30.) bei. Noch höher ging der Geräuschpegel mit der Viertelsirene, denn Trey Lewis brachte sein Team mit einem Dreier aus der linken Ecke nach mehr als 20 Minuten endlich wieder in Führung.

Die letzten zehn Minuten standen einem packenden Thriller in nichts nach. Beide Teams agierten auf Augenhöhe und zunächst war Tübingen wieder am Drücker. Der bärenstarke Barry Stewart traf in der 33. Minute zum 68:62, aber David Gonzalvez hielt dagegen. Mit fünf Punkten in Folge brachte er die Heroes of Tomorrow auf Schlagdistanz und in der 37. Minute sorgte Kyan Anderson mit dem 72:71 für den erneuten Führungswechsel. Nach einem technischen Foul von Stanton Kidd durfte De’Mon Brooks dreimal an die Freiwurflinie und verwandelte eiskalt zum 75:73 (38.). Eine Minute später legte er zwei weitere Freiwürfe zum 77:73, der höchsten Bayreuther Führung des Abends, nach.

15 Sekunden vor Spielende betrug der Vorsprung nach Lewis-Freiwürfen beim 79:75 weiterhin vier Zähler. Nach der Auszeit der Gäste verkürzte Alvaro Munoz schnell per Dreier über das Brett auf 78:79. Trey Lewis durfte anschließend an die Freiwurflinie, vergab aber bei noch zwölf Sekunden Spielzeit seinen zweiten Versuch. Tübingen warf noch einmal alles in die Waagschale - und wie! 0,9 Sekunden vor dem Ende zappelte ein wilder Stewart-Dreier im Korb und Tübingen sah beim 81:80 wie der sichere Sieger aus. Einen Versuch hatten medi bayreuth aber noch. In der letzten Auszeit malte Head Coach Raoul Korner seinem Team einen auf De’Mon Brooks ausgelegten Spielzug auf. Dieser funktionierte und Saisonsieg 18 war perfekt!

Drei Fakten zum Spiel

Barry Stewart: Mit seinem besten Saisonspiel hatte Tübingens Shooting Guard großen Anteil daran, dass die WALTER Tigers eine extrem starke Leistung auf das Parkett der Oberfrankenhalle brachten. 26 Punkte erzielte der 29-Jährige, damit blieb er nur zwei Punkte hinter seiner persönlichen Bestleistung aus der Saison 2012/2013. Fünf Dreier, dazu vier Rebounds, zwei Assists sammelte der US-Amerikaner, zudem stahl er medi viermal den Ball - Effektivitätswert 26!

Bastian Doreth & David Gonzalvez: Einen Energieschub hatte medi bayreuth gebraucht, um letztlich auf die Erfolgsspur zu finden. Dieser kam diesmal von der Bank in Person von Bastian Doreth und David Gonzalvez. Neben wichtigen Impulsen in der Defensive traten die beiden auch als Scorer in Erscheinung. Mit neun Punkten zwischen der 25. und 35. Minute hatte Gonzalvez großen Anteil an der Wende und auch Mannschaftskapitän Bastian Doreth übernahm am Abend Verantwortung und erzielte vor allem in der ersten Halbzeit wichtige Punkte, durch die die Heroes Of Tomorrow im Spiel blieben.

Niveau: Die Partie gegen die WALTER Tigers hatte alles, was ein packendes Erstliga-Spiel braucht: Läufe, Comebacks, wilde Dreier, Dunks und Buzzer-Beater. Beide Teams spielten auf Augenhöhe und Tübingen hatte in Barry Stewart seinen Go-to-Guy. Jared Jordan verteilte einmal mehr einen Assist nach dem nächsten - zehn waren es am Ende. Auf Bayreuther Seite bewiesen Korners Burschen einmal mehr Leidenschaft und Herz. Die Heroes Of Tomorrow gaben auch nach 13 Punkten Rückstand nicht auf, erkämpften sich ihre Punkte und die Chance zum Sieg. Dass der letzte Spielzug den Sieg brachte, war der Lohn für die Aufholjagd und für die Fans der Dank für den wieder einmal tollen Support von den Tribünen.

Trainerstimmen

Tyron McCoy (WALTER Tigers Tübingen): “Gratulation an Coach Korner und sein Team. Es war ein hartes Spiel für uns heute. Es ist ein Spiegel unserer bisherigen Saison. Bayreuth hat im dritten Viertel exzellent gespielt, das war ihr Schlüssel zum Sieg. In der ersten Halbzeit haben wir das gespielt, was wir uns vorgenommen hatten. Defense und Rebounds waren gut, das war guter Basketball von uns. Im letzten Viertel haben wir leichte Fehler gemacht, das Niveau aber hoch gehalten. Wir haben Gonzalvez ein paar leichte Würfe gestattet, obwohl wir wussten, dass er ein Shooter ist. Am Ende war der Druck für uns etwas zu hoch. Aber es war nach den letzten Spielen ein positiver Schritt nach vorne. Ich hoffe, wir können diese Leistung in die nächsten Spiele mitnehmen.“

Raoul Korner (medi bayreuth): “Danke für die Glückwünsche und ich möchte sie direkt zurückgeben. Man hat heute sehen können, welche enorme Entwicklung Tübingen in den letzten Wochen durchgemacht hat. Sie waren über weite Strecken die bessere Mannschaft. In der ersten Halbzeit ohne jede Diskussion. Wir haben auch in der zweiten Halbzeit ein paar Minuten gebraucht, bis wir in unser Spiel und zu unserer Intensität gefunden haben. Für mich war symptomatisch, dass in der ersten Halbzeit nahezu jeder freie Ball in den Händen von Tübingen war. Wir waren in den ersten 25 Minuten nur Passagier und konnten in den verbleibenden Minuten des dritten Viertels unseren Turbo zünden und ein paar Big Plays machen. Im letzten Viertel war es ein offener Schlagabtausch, wo beide Teams das Spiel gewonnen, verloren, gewonnen, verloren... hatten. Wenn das Spiel noch weiter gegangen wäre, hätten wir in den letzten Minuten ständige Führungswechsel erlebt. Tübingen hat am Ende zwei unglaubliche Dreier gemacht. De’Mons Wurf ist zum Glück noch in der Zeit reingegangen. Die letzten Sekunden waren eine Abfolge von ganz tollen Plays. Der letzte Wurf war für De’Mon geplant. Er sollte den Ball bekommen, es gab bei 0,9 Sekunden auch wenig Raum für Improvisation. Nate muss man für den perfekten Pass ein Kompliment machen, Kyan für den Block und natürlich De’Mon für die Physis unter dem Korb. Hier haben viele Dinge zusammen gespielt. Heute haben zwei Teams auf Augenhöhe gespielt, jeder Zuschauer dürfte von der Intensität und Dramatik dieses Spiels begeistert gewesen sein!”

medi bayreuth vs. WALTER Tigers Tübingen 82:81 ( 16:20 - 22:26 - 24:15 - 20:20 )

medi bayreuth: LEWIS 22, BROOKS 18 (7 Rebounds), ANDERSON 13 (5 Assists), Gonzalvez 12, Marei 7 (7 Rebounds), Doreth 7, LINHART 3, Seiferth 0, Wachalski 0, Trieb.

Dreier: Lewis 5, Anderson 2, Gonzalvez 2, Doreth 1, Linhart 1.

WALTER Tigers Tübingen: STEWART 26, McGHEE 13, Munoz 10, KIDD 9 (10 Rebounds), Philmore 8, JORDAN 6 (10 Assists), WASHBURN 6, Marin 3, Saddedine, Kolo.

Dreier: Stewart 5, Philmore 2, Jordan 1, Kidd 1, Marin 1, Munoz 1.

Schiedsrichter: Lottermoser, Krause, Bohn.

Alle Statistiken unter www.easycredit-bbl.de/de/n/spielberichte/2016-17/nachbericht/2017-03-18-bay-tub/

Fotos: Ochsenfoto.de