Fotos: Basketball Champions League / Ochsenfoto

Das Champions League Märchen endet für medi bayreuth im Playoff Viertelfinale

Heroes Of Tomorrow verlieren Rückspiel gegen Ludwigsburg 77:89 und somit die Serie

Die unglaubliche Reise in dieser Saison von medi bayreuth durch Basketball-Europa ist zu Ende. Nach einem großartigen Kampf mussten sich die Heroes Of Tomorrow im Playoff-Viertelfinale der Basketball Champions League in Addition aus beiden Spielen mit 163:170 den MHP RIESEN Ludwigsburg geschlagen geben. Nach dem 86:81 Sieg im Hinspiel unterlag das Team von Head Coach Raoul Korner am Mittwochabend in der mit 3.400 Zuschauern restlos ausverkauften Oberfrankenhalle gegen den aktuellen Tabellendritten der Basketball Bundesliga mit 77:89 (42:43) und musste so den MHP RIESEN den Sieg und auch den Einzug ins FINAL FOUR überlassen.

Bis ins letzte Viertel lieferten sich beide Mannschaft einen an Spannung kaum zu übertreffenden Fight. Sechs Minuten vor dem Ende lagen beide Teams in der Addition aus Hin- und Rückspiel noch nahezu gleichauf, ehe ein bis dahin enttäuschender Justin Sears auf einmal aufdrehte. In der Crunchtime erzielte der US-Amerikaner in nicht einmal vier Minuten elf seiner insgesamt 15 Zähler und führte sein Team so zum Sieg. Egal ob bei den Rebounds, Steals, Blocks, Ballverlusten oder auch bei den Wurfquoten (Freiwürfe ausgenommen) waren die Ludwigsburger an diesem Abend überall leicht besser und verdienten sich so am Ende diesen Sieg und das Erreichen des Final Fours.

Auf Seiten von medi bayreuth war die Enttäuschung nach Spielende natürlich groß. Nichts hätte man sich mehr gewünscht, als den Einzug in die Runde der letzten vier Mannschaften perfekt zu machen. Die im Vergleich zur Vorsaison insgesamt 22 zum jetzigen Zeitpunkt bereits mehr absolvierten Spiele sind jedoch eine immer wieder ihren Tribut fordernde Mehrbelastung, mit der vor der Saison in Folge des unglaublichen Erfolges in der Champions League auch niemand rechnen konnte. So fehlte medi bayreuth im Viertelfinal-Rückspiel gegen die über acht Kontingentspieler verfügenden Ludwigsburger (Rocky Trice spielte wie schon im Hinspiel nicht, Dwayne Evans ersetzte diesmal Jacob Wiley) am Ende ein wenig die Frische, um für eine erneute Sensation zu sorgen.

Auch wenn es mit dem ganz großen Coup und dem Einzug ins Final Four nicht geklappt hat, dürfen alle Bayreuther Basketball Fan sehr stolz auf ihr Team sein, das mit dem bisher Erreichten die vergangene Saison schon jetzt nochmals getoppt hat.

Das sagt Assem Marei:

"Ich denke, dass wir heute sehr hart gekämpft haben. Wir hätten etwas besser auf den Ball aufpassen müssen, aber unter dem Strich hatte Ludwigsburg mehr Energie als wird. Sie sind heute sehr aggressiv ins Spiel gegangen. Es hat sich heute wieder gezeigt, warum sie auch in der Bundesliga auf dem dritten Platz stehen. Sie haben ein großartiges Team und wir haben alles gegeben, was wir geben konnten.”

Das Spiel kurz zusammengefasst

Von der ersten Minute an bot sich den Fans in der Oberfrankenhalle eine packende Champions League-Partie. Nach je fünf Punkten von De’Mon Brooks und Adika Peter-McNeilly zeigten beide Mannschaften eine intensive Defense, wobei die Gäste oft noch einen Tick druckvoller zu Werke gingen. Die Heroes Of Tomorrow lösten dies zunächst gut, gingen nach einem Robinson-Dreier mit 12:7 (4.) in Führung. In der achten Minute sorgte Elgin Cook nach einem Offensivrebound für das 14:16. Nach einer medi-Auszeit erhöhte Ludwigsburg den Druck nochmals, konnte aber auch aus mehreren Ballgewinnen nicht mehr als das 20:20 machen.

Offen blieb das Spiel auch im zweiten Abschnitt, in dem Adam Waleskowski beim 25:24 (13.) für die erste Gästeführung seit der Anfangsphase sorgte. Intensiv blieb auf der anderen Seite der Ludwigsburger Druck. Allerdings sammelten die Gäste nun auch vermehrt Fouls. Die Heroes Of Tomorrow konnten in dieser Phase nicht all zu viele Punkte erzielen, was dafür sorgte, dass die erneut treffsicheren MHP RIESEN auch durch fünf Zähler von Kerron Johnson auf 33:24 (15.) enteilten. Nach einer medi-Auszeit hatten die Ludwigsburger die Teamfoulgrenze schnell überschritten, was bis zur Pause zu wichtigen Freiwurfpunkten führte. Aber auch aus dem Feld lief es besser. Dreier von Nate Linhart und James Robinson bedeuteten das 34:39 (18.). Von der Linie verkürzte Andreas Seiferth nach einem unsportlichen Foul von Dwayne Evans 21 Sekunden vor der Halbzeit gar auf 42:43.

Nach dem Wechsel profitierten die Heroes Of Tomorrow von zwei Dingen: Ludwigsburg traf zunächst nicht mehr so wie in der ersten Halbzeit und drückte in der Defensive nicht mehr so stark. Trotzdem blieben die Gäste in Front und auch der einzige York-Dreier zum 49:52 (25.) wurde beantwortet. Nach eigener Auszeit erhöhten Kerron Johnson per Dreier und Adika Peter-McNeilly nach einem Steal auf auf 59:51 (28.). Die Schlussphase ging dann aber an medi bayreuth, das durch De’Mon Brooks wieder auf die magischen fünf Punkte heran kamen - 54:59. Erneut konnte medi in der Folge mit Freiwürfen verkürzen, ehe ein wilder McCray-Dreier über das Brett zum 57:62 (30.) im Netz zappelte. Steve Wachalski antwortete mit einem Drei-Punkt-Spiel, doch mit der Schlusssirene netzte der wieder genesene Dwayne Evans einen weiteren Dreier ein. Nach kurzer Beratung der Schiedsrichter wurde dieser aber, da nach der Schlusssirene, wieder zurückgenommen.

Angetrieben vom Publikum kehrte medi aufs Parkett zurück und kam durch Freiwürfe von Assem Marei zum 62:62. Erneut antwortete David McCray mit einem Dreier für die MHP RIESEN, die nun wieder das Momentum hatten. Fünf Gästepunkte in Serie sorgten für einen Schub, den die Ludwigsburger nutzen konnten. An der Freiwurflinie markierte der im letzten Viertel kaum zu stoppende Justin Sears beim 66:76 (35.) die erste zweistellige Führung des Abends, die gleichzeitig den Höhepunkt eines 14:4 Laufs der Schwaben darstellte. De’Mon Brooks konnte zwar per Dreier schnell antworten, aber in der Folge fanden die Heroes Of Tomorrow kein probates Mittel mehr gegen die Ludwigsburger Defensive, die nun wieder sicher stand und keine entscheidenden Lücken mehr offenbarte.

Die spielentscheidenden Faktoren

Teamvergleich: Im Hinspiel sprachen viele Statistiken knapp für die Heroes Of Tomorrow, im Rückspiel hatten die MHP RIESEN oft - wenn auch ebenfalls knapp - die Nase vorne. Bei den Würfen fanden 50% (33/66) der Ludwigsburger Versuche den Weg in den Korb, medi verwandelte nur 40% (24/60) der Würfe. Lediglich die Freiwürfe (79% gegenüber 71%) gingen an die Heroes Of Tomorrow. Das Team von Head Coach Raoul Korner musste sich auch bei den Rebounds knapp geschlagen gegeben (34 gegenüber 38) wobei in der Offensive die Schwaben mit zwölf nur einen Rebound mehr unter dem gegnerischen Korb holten als medi. Ausschlaggebend ware die Tatsache, dass sich die Ludwigsburger zum einen vier Ballverluste weniger (10 zu 14) erlaubten, und zum anderen satte sieben Ballgewinne mehr (10 zu 3) als medi aufweisen konnten.

Justin Sears: Im letzten Viertel drehte der Center der MHP RIESEN auf. Der unermüdliche Einsatz des US-Amerikaners wurde belohnt und mit seiner Leistung trug er sein Team zum Sieg. 13 der 15 Punkte, die Sears insgesamt erzielte, markierte er im letzten Abschnitt. Sechs seiner zehn Würfe fanden den Weg in den Korb, bei drei Versuchen von der Freiwurflinie blieb Sears ohne Fehler. Zudem holte der Big Man sechs Rebounds und war mit einem Wert von 22 knapp vor James Robinson (21) und Assem Marei (20) effektivster Spieler des Abends.

Trainerstimmen

John Patrick (MHP RIESEN Ludwigsburg): “Zunächst möchte ich Bayreuth ein Kompliment aussprechen. Sie haben es geschafft, uns zu Hause zu schlagen. Der Druck lag im ersten Spiel vielleicht bei uns und heute eher bei Bayreuth. Wir haben gekämpft und konnten einige wichtige Würfe treffen. Im letzten Viertel sind uns entscheidende Stopps gelungen. Außerdem haben wir die Rebounds für uns entscheiden. Ich bin stolz auf jeden im Team, speziell auf Adam Waleskowski, ich trainiere ihn nun seit sechs Jahren und er hat im letzten Viertel ganz wichtige Rebounds geholt.”

Raoul Korner (medi bayreuth): “Ich möchte Ludwigsburg zum Einzug ins Final Four gratulieren. Ich wünsche ihnen alles Gute und bin sicher, sie repräsentieren unsere Liga in würdiger Manier. Aber ich will auch meinem Team für eine sehr gute Leistung in der Champions League gratulieren. Wir haben die definitiv stärkste Gruppe überstanden und haben Mannschaften wie den italienischen Meister aus Venedig hinter uns gelassen. Wir haben im Achtelfinale mit Besiktas einen der drei großen Favoriten eliminiert. Heute sind wir dann ausgeschieden. Wir haben gekämpft und stark gespielt, es war aber nicht gut genug. Ludwigsburg war heute ein bisschen besser. Das tut weh. Es ist für uns sehr enttäuschend, denn wir wollten ein weiteres Kapitel Geschichte schreiben. Wir müssen akzeptieren, dass Ludwigsburg das bessere Team war und das Weiterkommen verdient hat. Nochmals, ich bin sehr stolz auf das Team, es hat einen großartigen Job abgeliefert. Wir haben zu diesem Zeitpunkt der Saison schon 22 Spiele mehr als im Vorjahr gespielt. Was diese Mannschaft leistet, ist fantastisch. Nun müssen wir alle Energie in das nächste Spiel mitnehmen, wir werden am Freitag wieder so hart arbeiten, wie es uns möglich ist. Danken möchte ich noch allen Fans, die uns in diesem historischen Spiel unterstützt haben.”

medi bayreuth vs. MHP RIESEN Ludwigsburg 77:89 (20:20 - 22:23 - 18:19 - 17:27)

medi bayreuth:

ROBINSON 19, Marei 18 (8 Rebounds), BROOKS 11, LINHART 8, YORK 7 (5 Assists), SEIFERTH 7, Wachalski 3, Doreth 2, Amaize 2, Cox 2, Perschnick, Adler.

Dreier: Robinson 5, Linhart 2, Brooks 2, York 1.

MHP RIESEN Ludwigsburg:

Johnson 16, Sears 15, COOK 12, PETER-McNEILLY 10, McCRAY 11, Evans 9, WALKUP 6 (5 Assists), WALESKOWSKI 6 (10 Rebounds), Geske 2, Koch 0, Herzog, Seric.

Dreier: McCray 3, Peter-McNeilly 2, Cook 1, Evans 1, Johnson 1.

Ausblick:

Schon am Freitagabend um 19 Uhr müssen die Heroes Of Tomorrow erneut aufs heimische Parkett. Dann geht es in der easyCredit Basketball Bundesliga gegen den direkten Verfolger in der Tabelle, die FRAPORT SKYLINERS. Die Hessen weisen, wie die Heroes Of Tomorrow, 16 Siege auf, haben aber bereits ein Spiel und somit eine Niederlage mehr auf ihrem Konto. Wichtig wird nicht nur ein Sieg, sondern auch ein Erfolg mit fünf oder mehr Punkten Differenz sein, denn das Hinspiel ging knapp mit 72:68 an die Frankfurter.