Fotos: Basketball Champions League

Grandioser Champions League Sieg: medi gewinnt bei Estudiantes 76:68

Heroes Of Tomorrow gestatten den Spaniern in den letzten 4:29 Minuten keinen Punkt

Diese Mannschaft ist unglaublich! Mit einem Sieg im Gastspiel bei Movistar Estudiantes hat medi bayreuth am 12. Spieltag in der Basketball Champions League einen großen Schritt in Richtung Playoffs gemacht. Das Team von Head Coach Raoul Korner siegte in Madrid mit 76:68 (34:39) und holte sich neben den zwei wichtigen Zählern auch den direkten Vergleich im Duell mit den jetzt punktgleichen Spaniern.

Die Stimmung bei den circa zehn mitgereisten Bayreuther Fans in der Arena Jorge Garbajosa war nach Spielende doch etwas merkwürdig. Auf der einen Seite wollte man laut schreiend seine Freude über den Sieg kund tun, auf der anderen Seite war das gerade Geschehene aber doch auch irgendwie so überraschend, dass man still versuchte, die nervenaufreibenden Ereignisse zu verarbeiten.

Auch medi Head Coach Raoul Korner war nach Spielende noch nicht klar, ob denn jedem bereits bewusst war, was seiner Mannschaft an diesem Abend gelungen war. Sicherlich war der Sieg des Teams nicht durch eine großartige Trefferquote zustande gekommen. Vielmehr war es eine mental unglaublich starke Schlussphase. Als äußerst reif bezeichnete der Österreicher das Auftreten seines Teams im letzten Viertel, in dem die Heroes Of Tomorrow die Partie zu ihren Gunsten drehten. Mit einem in der gesamten Halle spürbaren Selbstvertrauen in die eigene Stärke übernahmen Nate Linhart, Steve Wachalski & Co. die Kontrolle über die Partie und erspielten sich trotz einer katastrophalen Freiwurfquote (5 von 17) einen letztlich hochverdienten Sieg.

Das sagt De’Mon Brooks:

"Heute hatten wir ein sehr schweres Spiel. Estudiantes ist ein sehr gutes Team. Sie haben eine sehr tief besetzte Bank und sind hervorragend gecoacht. Wir wussten, dass eine harte Aufgabe auf uns wartet. Heute hat jeder unserer Spieler seinen Beitrag geleistet, um das Spiel zu gewinnen. Wir haben zu Beginn und am Ende gut verteidigt, die Trainer haben einen hervorragenden Gameplan entwickelt, den wir umsetzen konnten.”

Das Spiel kurz zusammengefasst

Die Heroes Of Tomorrow wollten den Schwung aus dem Frankfurt-Spiel in die Partie mit hinein nehmen und genau das gelang der Mannschaft von Head Coach Raoul Korner zu Beginn des Spiels hervorragend. Nach nur zwei Minuten lag medi bayreuth mit 7:0 in Front. Doch dann schlichen sich Nachlässigkeiten ins Spiel der Bayreuther ein. Vor allem in der Verteidigung hatte man häufig das Nachsehen gegen die quirligen Spanier, die auch dank vieler zweiter Chancen zu einfachen Punkten kamen und so das Spiel, auch durch ihre immer wieder zum passenden Zeitpunkt eingestreuten Dreier, zu ihren Gunsten drehen konnten. Mit einem Buzzer Beater sorgte Steve Wachalski zum Ende des ersten Viertels für das 15:20 aus Bayreuther Sicht.

Auch im zweiten Viertel musste medi bayreuth weiter sehr hart für jeden Punkt kämpfen. Die Tatsache, dass Andreas Seiferth mit Magenproblemen stark angeschlagen in die Partie gehen musste, spielte den Heroes Of Tomorrow gegen die großen Spanier zudem nicht in die Karten. Die Gastgeber fanden nun etwas besser zu ihrem Rhythmus und bauten ihre Führung in der 15. Minute erstmals zweistellig auf 32:22 aus. Nach einem klaren Foul beim Korbleger an Nate Linhart, das von den Schiedsrichtern nicht geahndet wurde, kamen die Spanier im Schnellangriff durch einen Dreier von Aleksandar Cvetkovic sogar zum 35:22. Raoul Korner bremste den Lauf der Spanier mit einer Auszeit, die ihre Wirkung zeigen sollte! Die Heroes Of Tomorrow waren nun richtig bissig und antworteten mit einem 12:4 Lauf bis zur Halbzeit. Ein weiterer Korb in letzter Sekunde, diesmal durch Assem Marei, sorgte für den 34:39 Pausenstand und medi bayreuth war wieder dick im Geschäft.

Nach dem Seitenwechsel blieben die Madrilenen weiter von der Dreierlinie stark. Alec Brown und Sylven Landesberg trafen von jenseits der 6,75 Meter und Estudiantes zog wieder auf 45:36 (22.) davon. Doch die Heroes Of Tomorrow gaben nicht auf und fanden Mitte des Abschnitts wieder besser ins Spiel. Während die Gastgeber bis zur 26. Minute nur noch zu drei Punkten kamen, gelang nach einem 8:0 Lauf von medi durch Assem Marei sogar der 48:48 Ausgleich. Und es kam noch besser. James Robinson brachte die Heroes Of Tomorrow mit einem Dreier sogar wieder in Führung. Erneut schlichen sich nun aber Unkonzentriertheiten ins Spiel von medi, die das spanische Top-Team eiskalt nutzte und den Spieß erneut drehte. Victor Arteaga sorgte eine Zehntelsekunde vor Ende des dritten Abschnitts an der Freiwurflinie mit zwei Treffern für die  58:53 Führung der Spanier nach 30 Minuten.

Das Team von Head Coach Raoul Korner aber glaubte nach wie vor an sich. Als Team suchte man nach Lösungen und fand sie zu Beginn des Schlussviertels in der Person des Routiniers. Steve Wachalski sorgte mit zwei Dreiern zum 64:66 (35.) für mehr als nur einen Hoffnungsschimmer. Estudiantes konnte, auch begünstigt durch die extrem schwache Bayreuther Freiwurfquote, seinen knappen Vorsprung verteidigen, doch nach dem 68:65 der Spanier durch Ludvig Hakanson hatten die Hausherren ihr Pulver verschossen. In den letzten 4:28 Minuten der Partie gestattete ihnen die aufopferungsvoll kämpfende Bayreuther Defensive keinen einzigen Zähler mehr. Nach einem weiteren Wachalski-Korb kippte das Momentum und das nahezu für unmöglich Geglaubte nahm seinen Lauf: Gut drei Minuten vor dem Ende holte James Robinson die Führung zurück. Nun wirkten die Spanier verunsichert und ihre oft aus Einzelaktionen kreierten Würfe fielen nicht mehr. Die Heroes Of Tomorrow hingegen wurden nun immer stärker und versenkten durch James Robinson und Nate Linhart die spielentscheidenden Dreier zum 76:68 Erfolg.

Der spielentscheidende Faktor

Freiwürfe: 17 Mal hatten die Heroes Of Tomorrow im Spiel die Gelegenheit, von der Freiwurflinie aus zu Punkten zu kommen. Nur magere fünf Mal gelang es jedoch, den Ball durch die Reuse zu werfen. 5 von 17 ergibt eine Quote von nur 29 Prozent (Madrid 70%, 14/20). Skurriler Höhepunkt des Bayreuther Freiwurf-Dramas war ein vergebener Versuch von James Robinson, bei dem der Ball einfach auf der Halterung des Ringes regungslos liegen blieb.

Dreier: Dass es doch zum Sieg von medi bayreuth reichte, war der immer besser werdenden Dreierquote zu verdanken. Nach 20 Minuten hatten die Hausherren vier Distanzwürfe verwandelt, medi nur zwei. Verdoppeln konnten beide Teams ihre Ausbeute im dritten Viertel, nach dessen Ende Estudiantes bereits acht Mal getroffen hatte, medi immerhin schon vier Mal. Den Unterschied machte dann jedoch der letzte Abschnitt, in dem die Spanier neun Würfe von jenseits der 6,75 Meter nahmen, aber keinen einzigen mehr verwandeln konnten. Auf der Gegenseite hatten die Heroes Of Tomorrow nun mehr Erfolg im Abschluss: Fünf von sieben Dreier fanden den Weg in den Korb und sorgten somit für den deutlichen Ausgang des Schlussabschnitts zugunsten des Teams von Raoul Korner (23:10).

Steve Wachalski: Wie schon im Hinspiel (12 Punkte) brachte Routinier Steve Wachalski das Offensivspiel von medi bayreuth auf Touren. Schon in der ersten Halbzeit, dann aber besonders im letzten Viertel, sorgte der Power Forward für Impulse und wichtige Körbe. Acht seiner insgesamt 16 Zähler - Saisonbestwert - erzielte Wachalski im letzten Viertel. Dazu holte er zwei ganz wichtige Steals. Mit 17 hatte er nach Nate Linhart (19) zudem den besten Effektivitätswert aller Spieler.

Trainerstimmen

Raoul Korner (medi bayreuth): “Ich muss zunächst meinen Spielern gratulieren. Sie haben heute einen ganz wichtigen Sieg errungen - auch in dieser Höhe, denn wir haben den direkten Vergleich gewonnen und sind in der Tabelle nun vor Estudiantes. Madrid ist eine sehr gute Mannschaft. Wir sind nach einem sehr emotionalen Sieg hier her gekommen und ich war mir nicht sicher, ob wir mit der gleichen Energie hier auftreten können. Doch wir konnten. Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben dann einige Fehler gemacht, die es uns schwer gemacht haben, in einen offensiven Rhythmus zu kommen. Ich muss mich heute bei meinem Assistant Coach Lars Marsell bedanken, der mich davon überzeugt hat, die Blockverteidigung umzustellen. So ist es uns gelungen, das Tempo aus ihren Angriffen zu nehmen. Damit hatten wir im Hinspiel schon unsere Probleme. Das hat perfekt funktioniert, die Spieler haben die Vorgabe hervorragend umgesetzt. Lars war also der Mastermind hinter dieser Taktik, er hat das Spiel von Madrid perfekt analysiert. Die Fast Breaks zu stoppen war das eine. Das andere waren die Dreier, hier hatten wir am Ende 45% getroffen, im Gegensatz zu den Freiwürfen, wo uns nur 30% gelungen sind. Das ist schon merkwürdig, aber umso besser, da wir das Spiel dennoch gewonnen haben.”

Salva Maldonado (Movistar Estudiantes): “Es war heute ein enges Spiel. Wir haben es über fast die gesamte Spielzeit kontrolliert. Doch am Ende, wenn man nicht die Kontrolle über das ganze Spiel hat, ist es schwer zu gewinnen. Wir sind in einer starken Gruppe, es sind alles sehr gute Mannschaften. In den letzten Minuten waren wir nervös und haben keinen unserer letzten neun Würfe getroffen. Wir wussten in der Schlussphase nicht mehr, wie wir Bayreuth kontrollieren können und haben das Spiel so verloren.”

Movistar Estudiantes vs. medi bayreuth 68:76 (20:15 - 19:19 - 19:19 - 10:23)

Movistar Estudiantes:

LANDESBERG 13, Suton 10, BROWN 8, Hakanson 8, Arteaga 8 (7 Rebounds), CVETKOVIC 7, CANER-MEDLEY 6, COOK 5 (8 Assists), Brizuela 3, Vicedo 0, Pena, Sola.

Dreier: Suton 2, Landesberg 2, Brown 2, Cvetkovic 1, Brizuela 1.

medi bayreuth:

Wachalski 16 (3 Steals), BROOKS 14, ROBINSON 12, MAREI 11, LINHART 8 (8 Assists, 3 Steals), YORK 5 (9 Rebounds), Seiferth 4, Doreth 3, Amaize 3, Cox 0.

Dreier: Robinson 2, Wachalski 2, Brooks 2, Amaize 1, Doreth 1, Linhart 1.

Ausblick:

Der kommende Gegner in der easyCredit Basketball Bundesliga ist auch der, gegen den die Heroes Of Tomorrow ihr letztes Punktspiel bestritten haben. Nach Allstar Break, Pokal-Qualifikation und Auftritten in der Basketball Champions League trifft medi am Sonntag, 28. Januar um 15 Uhr in der Oberfrankenhalle auf die BG Göttingen. Das Hinspiel bei den Niedersachsen ging am 5. Januar mit 93:70 klar an die Bayreuther.