Foto: Christian Haberkorn

HEROES OF TOMORROW auf dem Spielermarkt aktiv

Head Coach Raoul Korner und Geschäftsführer Björn Albrecht im Interview

Auch einen Tag nach der Heimniederlage gegen ratiopharm ulm schmerzt der Ausgang der Partie im Lager der HEROES OF TOMORROW noch sehr, denn die Art und Weise, wie der Ausgang des Spiels zustande kam, war ja nicht ganz unbekannt.

Was die ganze Situation so richtig frustrierend macht, so medi Head Coach Raoul Korner, ist die Tatsache, dass man kämpferisch niemanden einen Vorwurf machen kann.

Raoul, woran hapert es im Moment und warum kann die Mannschaft ein Spiel nicht nach Hause bringen?

Es gibt Phasen, da sieht man, wozu die Mannschaft im Stande ist. Man sieht aber eben auch über die letzten Wochen, was dem Team fehlt. Nämlich so eine gewisse Ruhe, eine Abgebrühtheit, eine gewisse Souveränität in gewissen Phasen, gerade wenn der Druck der gegnerischen Mannschaft zunimmt. Genau dann verlieren wir den Rhythmus und ein Fehler führt umgehend zum nächsten. Hier den Lauf des Gegners zu stoppen ist uns schon mehrere Male nicht gelungen.

In dieser Situation ist die Frage jetzt ganz einfach die: Wie lange wartet man auf eine Verbesserung oder braucht die Mannschaft Hilfe in Form eines Spielers, der genau diese Souveränität auf dem Feld hat?

Kämpferisch ist niemandem ein Vorwurf zu machen, denn man sieht, dass die Burschen von der ersten bis zur letzten Minute alles geben. Nach dem Spiel sitzen sie zerstört in der Kabine. Genau das ist es ja auch, was es so schwierig macht. Man spürt, wie nahe es den Spielern geht, wenn wir ein ums andere Mal mit leeren Händen dastehen, obwohl wir es eigentlich verdient hätte, einmal ein Erfolgserlebnis einzusammeln.

Welche Gedanken, der Mannschaft zu helfen, habt ihr euch schon gemacht?

Ein Ansatzpunkt wäre es, einen Spieler zu finden, der eben genau diese Souveränität besitzt. Man darf aber natürlich auch nicht vergessen, dass wir HEROES OF TOMORROW sind und das auch bleiben. Dass hier nicht alles von heute auf morgen klickt, steht außer Frage. Da verliert auch keiner die Nerven. Wenn aber eine Sache sieben oder acht Mal nach dem gleichen Schema abläuft, dann muss es aber auch erlaubt sein, zu hinterfragen, ob es reicht. In der PK nach dem Ulm-Spiel wollte ich verdeutlichen, dass wir uns schon die Frage stellen, ob es in dieser Konstellation reicht, oder ob das Team einfach Hilfe braucht.

Was wird sich jetzt konkret in den nächsten Tagen tun?

Wir sind am Markt aktiv und schauen, ob es einen Spieler gibt, der uns in dieser Situation jetzt helfen kann. Wir suchen keinen Magier, der mit dem Zauberstab kommt und alle Probleme beseitigt, sondern jemanden, der uns schlicht und ergreifend helfen kann. Sollten wir diesen Spieler finden, werden wir zuschlagen.

Ich habe immer gesagt, dass der Umbau des Teams nicht einfach werden wird und es besteht bei der Zusammenstellung einer neuen Mannschaft immer auch ein gewisses Risiko. Wir befinden uns hier in Bayreuth nicht in einer Budget-Klasse, in der man gestandene Spieler, die sich auf diesem Niveau etabliert haben, einfach abgrast. Wir müssen getreu unserer Philosophie der HEROES OF TOMORROW Risiko gehen und Spieler holen, von denen wir der Meinung sind, dass sie hier bei uns den nächsten Schritt machen können. Da ist es dann auch ganz einfach verwegen, mit jeder Spielerverpflichtung zu erwarten, hier einen Jackpot zu landen. Manchmal passt die Konstellation einfach nicht. Das können Kleinigkeiten sein, die man vorab einfach nicht abschätzen kann. Auch in meinem ersten Jahr hier hat es eine Zeit gedauert, bis alles zusammengepasst hat. Das Rebuilding braucht seine Zeit, die wir auch dieser Mannschaft gewillt sind, zu geben. Ich möchte dabei aber auch einen gewissen Lernprozess sehen und genau dieser fehlt mir aktuell. Aus diesem Grund kommt jetzt auch der Entschluss, nach Hilfe für das Team zu suchen, um die eigenen, hohen Erwartungen, die das Team an sich selbst hat, auch erfüllen zu können.

Bei der Suche nach einem neuen Spieler spielen natürlich auch die Finanzen eine entscheidende Rolle. Deshalb die Frage an medi Geschäftsführer Björn Albrecht: Ist eine mögliche Nachverpflichtung wirtschaftlich darstellbar?

Wir haben unsere Saison in allen Bereichen wirtschaftlich solide und konservativ geplant. Dennoch wird eine Nachverpflichtung ein finanzieller Kraftakt werden, den wir am Ende nur mit der Unterstützung unserer Sponsoren und Fans werden leisten können. Gleichzeitig werden wir Kosten anpassen, um Budget frei zu machen. Ganz klar werden wir überlegt und sortiert handeln und im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten bleiben. Sollten wir jemanden finden, der ins Profil passt und uns weiterhilft, dann werden wir aktiv.

Die ersten Wochen hier in Bayreuth waren extrem intensiv. Hast du dir deine Anfangszeit in Bayreuth so vorgestellt und kannst du bereits ein erstes Fazit ziehen?

Zu allererst gefällt mir der Teamspirit, mit dem wir hier arbeiten. Fokussiert und immer im Sinne des Bayreuther Basketballs. Das gilt für das Team, den Staff und die Mitarbeiter im Backoffice.

Natürlich haben wir uns erhofft schneller Stabilität und Kontinuität, hinsichtlich der Leistungen auf dem Platz, zu bekommen und entsprechende Ergebnisse einzufahren. Dabei arbeiten wir ständig im Spagat zwischen der Entwicklung jedes einzelnen Spielers und des Teams und dem Druck bereits ab Saisonstart möglichst viele Spiele zu gewinnen – und das in zwei Wettbewerben plus BBL Pokalrunde. Das man in diesem notwendigen Prozess immer wieder an einen Punkt kommt eine Nachjustierung zu diskutieren, wie das momentan der Fall ist, gehört ebenfalls dazu.

Wie Raoul es schon sagte - uns war allen klar, dass wir nach dem Umbau der Mannschaft einige Zeit benötigen werden, um konstant unser Potenzial abzurufen. Ich sehe, wie hart alle dafür arbeiten - die Einstellung passt also.

Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den richtigen Modifikationen die notwendigen Schritte nach vorne kommen, um unsere ambitionierten Ziele zu erreichen.

Für mich persönlich ist es noch verfrüht ein Fazit in irgendeine Richtung zu ziehen. Was ich aber sehe, ist das Engagement jedes Einzelnen in der Organisation für den Bayreuther Basketball. Ich wünsche mir jedoch ein stärkere Unterstützung der Basketballfans aus Bayreuth und der Region. Kommt in die Halle! Supported die Burschen! Sie haben es verdient und geben es mit Einsatz zurück.