Fotos: Hans-Jürgen Britsch/Pressefoto Baumann

HEROES OF TOMORROW kratzen in Ludwigsburg an der Sensation

medi bayreuth unterliegt ohne Bruinsma & Meisner mit 84:89 bei den MHP RIESEN

Ganz nüchtern betrachtet bleibt alles beim Alten: Ludwigsburg ist für medi bayreuth ein extrem schwieriges Pflaster und auch am 12. Spieltag in der easyCredit Basketball Bundesliga konnten die HEROES OF TOMORROW im nun achten Anlauf in Folge nicht in der MHP Arena gewinnen.

Was aber war das für eine Partie der Mannschaft von Head Coach Raoul Korner! Leidenschaft, Einsatz und Kampf … das alles warfen Bastian Doreth & Co. aufs Parkett. Lediglich das Happy End fehlte bei der 84:89 (47:50) Auswärtsniederlage gegen die MHP RIESEN Ludwigsburg, bei der das Team des österreichischen Cheftrainers bis in die Schlussminute sogar die Chance hatte, die Partie vor 4.040 Zuschauern für sich zu entscheiden.

Wie gesagt, ein Sieg wäre durchaus möglich gewesen, doch auf der anderen Seite wäre ein solcher auch einer Sensation gleichgekommen, musste medi bayreuth im Match gegen den in dieser Saison bislang zu Hause noch ungeschlagenen Tabellenzweiten gleich auf seine beiden Power Forwards verzichten. Evan Bruinsma (Rücken) und Lukas Meisner (Sprunggelenksverletzung) waren mit dem Team zwar nach Ludwigsburg angereist, konnten aber nicht ins Spielgeschehen eingreifen.

Doch auch ohne ihre beiden Vierer spielten die HEROES OF TOMORROW stark auf und stellten den Gastgeber vor große Probleme. Das größte Problem für die RIESEN hieß an diesem Abend Andreas Seiferth. Der Bayreuther Center spürte es von der ersten Sekunde an und trug seine Mannschaft. Mit 27 Punkten stellte er am Ende sogar seine persönliche BBL-Bestleistung ein und verwandelte zudem seinen ersten BBL-Dreier. 

Das sagt Andreas Seiferth (medi bayreuth):

“Natürlich würde ich meine Karrierebestleistung und auch den ersten verwandelten Dreier sofort gegen den Sieg heute eintauschen. Wenn man nicht gewinnt, sind diese Sachen einfach irgendwie weniger wert. 

Klar fühlt es sich gut an, wenn man gut trifft und man von seinen Mitspielern gefunden wird oder sogar ein Dreier trifft.

Wir waren immer knapp dran und hatten kurz vor Schluss sogar die Chance uns die Führung zurück zu holen, allerdings unterlief uns dann ein dummer Turnover. 

Es ist wirklich blöd gelaufen und weil wir uns nicht belohnen konnten, ist es auch extrem bitter. 

Man kann aber sehen, dass wir langsam immer besser in Schwung kommen, denn vor ein paar Wochen wäre das Spiel sicherlich noch nicht so gelaufen.”

Warum es so lief, wie es lief:

Nachdem bekannt wurde, dass medi ohne Bruinsma und Meisner in diese Partie gehen muss, gab es viele, die das Spiel schon deutlich zu Gunsten der Ludwigsburger abgeschrieben hatten. Doch weit gefehlt! Aus der Power-Forward-Not machte medi eine Tugend und kämpfte sich buchstäblich in die Partie hinein. Zehn Zähler von Andreas Seiferth sowie neun von James Woodard allein im ersten Viertel brachten medi eine Führung nach dem ersten Viertel und zeigten dem Team, dass man eben nicht chancenlos im Duell mit dem Tabellenzweiten war.

Zu Beginn des zweiten Viertels liefen auf einmal die Distanzschützen der Gastgeber heiß und die 30:24 Führung verwandelte sich in etwas mehr als vier Minuten in einen 34:39 Rückstand. medi aber blieb gelassen und spielte ruhig weiter. Bis zur Pause war man beim 47:50 wieder nahezu gleichauf.

Auch im dritten Abschnitt lagen die Ludwigsburger immer knapp in Front, doch die HEROES OF TOMORROW blieben auch hier immer dran.

9:11 Minuten vor dem Ende der Partie brauchte Bryce Alford mit einem Dreier sein Team bis auf einen Zähler Rückstand (68:67) wieder hauchdünn heran, ehe die RIESEN mit einem 12:0 Lauf auf 80:67 davon zogen. Doch auch hier bewies das medi-Team sein großes Kämpferherz und konterte mit einem eigenen 12:0 Lauf zum 80:79 (37.). In den folgenden drei Minuten schenkten sich beide Teams nichts und fighteten mit offenem Visier um den Sieg. Erst ein medi-Ballverlust, neun Sekunden vor dem Ende, besiegelte letztlich den Ausgang des Spiels.

Die Trainerstimmen:

Raoul Korner (Head Coach medi bayreuth): “Zunächst herzlichen Glückwunsch an John und seine Mannschaft zum hart umkämpften, letztendlich aber verdienten Sieg. Ich denke, dass wir über 40 Minuten ein Spiel auf Augenhöhe gesehen haben. Wir haben uns einige Dinge vorgenommen, von denen wir die meisten Dinge auch umsetzen konnten. Man muss aber der unglaublichen Qualität von Ludwigsburg Respekt zollen. Jetzt halten wir deren Topscorer [Khadeen Carrington] auf null Punkten, dann kommt Smith um die Ecke und knallt uns 22 Punkte rein. Das zeigt, was hier für enormes Potential in der Mannschaft steckt. Es ist ganz schwierig, jeden Spieler auszuschalten oder zu kontrollieren. Meine Burschen haben, meiner Meinung nach, extrem hart gekämpft. Wir hatten die Chance, am Ende hatte Ludwigsburg aber die Clutch-Plays – und hat daher gewonnen. An dieser Stelle an alle Fans, die heute denke ich auf ihre Kosten gekommen sind: Ein schönes Weihnachtsfest! Frohe Weihnachten.“

John Patrick (Head Coach MHP RIESEN Ludwigsburg): “Danke für die Glückwünsche, Raoul. Kompliment an Bayreuth, sie haben heute einen super Gameplan gehabt und uns unter dem Korb mit Andreas Seiferth und auch Reed Travis wehgetan, ganz einfache Punkte und viele Dreipunkt-Spiele gemacht. Wir haben ihnen 30 Punkte im ersten Viertel erlaubt, sind dann ab dem zweiten Viertel aber zurückgekommen. Bezüglich der Disziplin in der Verteidigung: Wir hatten heute viel zu viele unnötige Fouls – und hatten am Ende des Spiels, nach einer Achterbahn-Fahrt, zwei 12:0-Läufen, schwierigen Dreiern und viel Drama aber das glücklichere Ende. Kompliment an die Fans, unsere Mannschaft und an Bayreuth für ein sehr spannendes Spiel. Merry Christmas!“

MHP RIESEN Ludwigsburg vs. medi bayreuth 89:84 (24:30 - 26:17 - 18:16 - 21:21)

MHP RIESEN Ludwigsburg: CARRINGTON 0, WEILER-BABB 19, SMITH 22, Konga 5 (6 Rebounds), Knight 22 (6 Rebounds), Caisin, Hukporti 0, WOHLFARTH-BOTTERMANN 4, WIMBUSH II 13, Leissner 4, von Fintel, Brase 0.

medi bayreuth: Robinson 7, JONES 8 (6 Rebounds), WOODARD 18, DORETH 6, SEIFERTH 27 (6 Rebounds), Alford 3, Travis 5, Pryszcz, LINHART 7 (6 Rebounds / 6 Assists / 4 Steals), Grüttner Bacoul 3.

Der Ausblick: 

Nach einer kurzen Weihnachtspause geht es bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag in der easyCredit Basketball Bundesliga weiter. Zu Gast in der Oberfrankenhölle ist dann die BG Göttingen, wo es zu einem Wiedersehen mit dem Ex-Bayreuther Kyan Anderson kommt. Jump zum Weihnachtsspiel, das in diesem Jahr ganz im Zeichen des Hilfsprojekts “medi for help” steht, ist am Donnerstag, 26. Dezember, um 18:00 Uhr.