Fotos: Basketball Champions League / Thorsten Ochs

medi nach 89:81 Sieg über Venedig scharf auf Playoff-Kurs in der BCL

Heroes Of Tomorrow besiegen den italienischen Meister Umana Reyer Venezia

Am vorletzten Spieltag der Gruppenphase in der Basketball Champions League ist medi bayreuth ein weiteres “Meister”-Stück gelungen. Gegen den italienischen Titelträger, Umana Reyer Venezia, siegten die Heroes Of Tomorrow mit 89:81 (51:49) und holten sich neben Saisonsieg Nummer acht in der BCL auch den direkten Vergleich gegen Venedig.

Die Frage, wer dem türkischen Vertreter, Banvit BK, aus Gruppe C noch in die Runde der letzten 16 Teams folgen wird, kann auch nach diesem vorletzten Spieltag noch nicht beantwortet werden. Nach wie vor haben fünf Mannschaften die Chance auf einen der restlichen drei für die Playoffs berechtigenden Plätze. Die Entscheidung wird somit erst am kommenden Dienstag fallen, wenn medi bayreuth (21 Punkte) am 14. und letzten Spieltag zu Gast in Griechenlands Hauptstadt bei AEK (20) ist. Zeitgleich empfängt Banvit (22) SIG Strasbourg (21) und Estudiantes (21) gastiert in Venedig (20).  

Wieder einmal getragen von den Fans in der Oberfrankenhalle, diesmal vor der BCL Rekordkulisse von 2.638 Zuschauern, legten die Heroes Of Tomorrow gegen Venedig hervorragend los. Mit viel Intensität und tollem Zusammenspiel kreierte man sich freie  Wurfmöglichkeiten und fand so in der Offensive schnell zu einem guten Rhythmus. Auch in der Verteidigung verstand es die Mannschaft von Head Coach Raoul Korner, den Gästen das Leben schwer zu machen. Im zweiten Abschnitt konnte der italienische Meister wieder herankommen, doch nach der Pause drehten Nate Linhart & Co. nochmals richtig auf und blieben so stets in Führung.

Eine kleine Schwächephase zu Beginn des Schlussabschnitts, in deren Folge die Italiener sogar auf 71:71 ausgleichen konnten, steckte medi bayreuth aber extrem abgeklärt weg. In keinster Weise ließen sich die Heroes Of Tomorrow an diesem Abend verunsichern oder gar von ihrem Gameplan abbringen. Immer wieder hatte es den Anschein, als würden die Spieler auf dem Parkett in den entscheidenden Momenten noch enger zusammenrücken, um gemeinschaftlich die beste Lösung zu finden.

Am Ende gelang so ein insgesamt gesehen absolut verdienter Sieg des Teams von Raoul Korner, das im Vergleich mit dem italienischen Titelträger nicht nur als Mannschaft die bessere Vorstellung geboten, sondern es auch immer wieder bestens verstanden hatte, zur richtigen Zeit die Verantwortung auf dem Parkett in die Hände des richtigen Spielers zu legen.

Das sagt James Robinson:

"Wir hatten heute einen sehr guten Plan für das Spiel. Es lag also an uns, diesen auf dem Feld umzusetzen. Die Trainer haben uns gut eingestellt und, obwohl wir einige Fehler gemacht haben, haben wir unseren Gameplan zu großen Teilen gut erfüllt. Wir haben heute sehr physisch gespielt und den Ball gut bewegt.”

Das Spiel kurz zusammengefasst

Obwohl die Gäste aus Venedig als eines der schwächsten Teams der Basketball Champions League von der Dreierlinie gelten, konnten sie durch einen Distanzwurf eine erste Führung erspielen. Doch auch die Heroes Of Tomorrow trafen trafen von Beginn an gut von jenseits der 6,75-Meter-Linie. Beim 27:18 in der achten Minute zappelte schon der fünfte Dreier im Netz des italienischen Meisters. Mit Gabe York (2), Bastian Doreth, Nate Linhart und James Robinson waren es vier verschiedene Schützen. Nach einer Auszeit der Gäste schraubte De’Mon Brooks mit einem Drei-Punkt-Spiel die Führung erstmals auf einen zweistelligen Wert - 30:20.

Im zweiten Viertel konnte medi seine Führung zunächst ausbauen, ehe die Lagunenstädter besser ins Spiel kamen. Mehr Aufmerksamkeit in der Defense und bissigeres Angriffsspiel brachten die Gäste auf 31:39 (15.) heran, was Head Coach Raoul Korner nicht gefiel und eine Auszeit nehmen ließ. In der Folge konnte Venedig mehrere And-One-Spiele verwandeln, Marquez Haynes schloss per Dunking gar zum 40:44 ab. Gut zwei Minuten vor der Pause brachte Bruno Cerella mit einem Dreier die Venezianer sogar wieder in Führung. Doch auch medi traf vor der Pause noch einen weiteren Dreier: James Robinson sorgte so für die knappe 51:49 Pausenführung.

Kurz nach Wiederbeginn musste mit Mitchell Watt einer der Schlüsselspieler der Gäste früh sein viertes persönliches Foul hinnehmen. Dies setzte bei den Bayreuthern nochmals Energie frei. In der Defensive standen die Heroes Of Tomorrow nun wieder sicher, offensiv fielen die Würfe. Nach einem Linhart-Dreier hieß es in der 24. Minute 62:53: Auszeit Venedig. Bis zum Ende des Viertels hatte medi die Partie nun gut im Griff, lediglich in der letzten Minute konnten die Gäste etwas aufholen und auf 63:69 verkürzen.

Noch einmal wurde es richtig spannend, als Stefano Tonut zunächst einen Wurf von Bastian Doreth blockte und dann einmal mit dem Ball über das Feld zog, um zum 69:69 einzunetzen. Dabei wurde der Italiener noch gefoult, verpasste aber den Bonus-Freiwurf und es blieb beim 8:0 Lauf von Venedig. Schon im Gegenzug holte Assem Marei die Führung zurück, die nach einem Seiferth-Dunking zum 81:73 in der 37. Minute wieder auf acht Punkte anwuchs. In der Schlussphase spielte medi bayreuth dann clever und gut zusammen und ließ die Lagunenstädter so nicht mehr herankommen.

Der spielentscheidende Faktor

Gabe York & James Robinson: In bester Spiellaune präsentierten sich die beiden US-Guards der Heroes Of Tomorrow. Gabe York, der in Venedig ohne Punkte geblieben war, avancierte einmal mehr zum Topscorer der Mannschaft. Am Ende standen bei ihm 24 Zähler sowie je fünf Assists und Rebounds. James Robinson glänzte diesmal sowohl als Vorbereiter als auch als treffsicherer Werfer. Acht der 19 Bayreuther Assists gelangen dem Aufbauspieler, der zudem 14 Punkte markierte und dabei 71% seiner Würfe aus dem Feld (5/7) verwandelte.

Andreas Seiferth: Nur ein Bayreuther war noch sicherer im Abschluss als James Robinson: Andreas Seiferth. Schon seit Wochen in bestechender Form, war der Center auch von seinen italienischen Gegenspielern kaum zu stoppen. Mit seinem Dunking im letzten Viertel lieferte er einen der Höhepunkte der Partie. Sechs seiner sieben Feldwürfe gingen in den Korb der Venezianer, damit unterstrich Seiferth seinen Status als sicherster Schütze aus dem 2-Punkte-Bereich der gesamten Basketball Champions League (70,9%, heute 85,7%). Auch bei den Rebounds war die Nummer 11 von medi mit sieben top im Team.

Trainerstimmen

Walter de Raffaele (Umana Reyer Venezia): “Erst einmal gratuliere ich Bayreuth zum Sieg. Ich denke, letztendlich haben sie ihn verdient. Wir hatten einen schlechten Start ins Spiel, vor allem in der Defensive. Im zweiten Viertel haben wir dann sehr gut gespielt und konnten ausgleichen. Auf der physischen Seite hatten wir Schwierigkeiten. Wir hatten vor und auch während des Spiels viele Verletzungen, dennoch haben wir das ganze Spiel über gekämpft. Das Spiel wurde durch einige Dreier und einige schlechte Situationen entschieden. Das gehört aber zum Sport dazu.”

Raoul Korner (medi bayreuth): “Zunächst muss ich meinen Spielern gratulieren. Sie haben sich wieder in einem wichtigen Moment bewiesen. Es scheint, als ob wir immer, wenn wir in eine ‘Do or Die’ Situation kommen, uns steigern und abliefern können. Es ist gut, das zu sehen. Wir haben heute sehr fokussiert begonnen und offensiv gut abgeschlossen. In der Defensive sind wir ein wenig ins Schleudern gekommen, aber Venedig ist auch ein sehr gutes Team. Sie haben bei uns kleine Fehler sofort bestraft. Außerdem haben sie hochprozentig getroffen. Wir konnten die Physis in der zweiten Halbzeit steigern und das hat seine Wirkung gezeigt. Venedig hatte dann auch Foulprobleme und kleinere Verletzungen, das hat uns geholfen, um noch etwas mehr Energie freizusetzen. Wir haben in den Schlussminuten sehr clever gespielt und haben an beiden Enden des Spielfeldes gute Entscheidungen getroffen. Wir haben defensive Stops erreicht und den Ball bewegt. Egal wer die Würfe genommen hat, hat es gut gemacht. Wir haben nicht darüber nachgedacht, wer die Punkte trifft, das macht ein gutes Team aus. Es war ein guter Sieg für uns!”

medi bayreuth vs. Umana Reyer Venezia 89:81 (34:26 - 17:23 - 18:14 - 20:18)

medi bayreuth:

YORK 24, SEIFERTH 15 (7 Rebounds), LINHART 15, ROBINSON 14 (8 Assists), Marei 8, Doreth 5, BROOKS 5, Amaize 3, Wachalski 0, Cox, Adler.

Dreier: York 4, Robinson 2, Linhart 2, Amaize 1, Doreth 1.

Umana Reyer Venezia:

PERIC 16 (13 Rebounds), Biligha 11, Tonut 11, HAYNES 10 (3 Assists), Johnson 9, Cerella 8, WATT 7, BRAMOS 5, JENKINS 2 (3 Assists), de Nicolao 2, Bolpin.

Dreier: Cerella 2, Peric 2, Haynes 1, Johnson 1, Bramos 1, Tonut 1.

Ausblick:

Für die Heroes Of Tomorrow geht es zunächst in der easyCredit Basketball Bundesliga um die nächsten beiden Punkte. Die Aufgabe ist dabei eine schwierige, denn es geht am Samstag, 3. Februar in den Audi Dome, zum FC Bayern München (Jump 20:30 Uhr). Der Tabellenführer hat bislang erst eine Niederlage - in eigener Halle gegen s.Oliver Würzburg - kassieren müssen. In der Basketball Champions League geht es dann im letzten Spiel der Gruppe C bei AEK Athen am Dienstag, 6. Februar ab 18:30 Uhr um den Einzug in die Playoffs.