Fotos: Basketball Champions League / Thorsten Ochs

Overtime diesmal ohne Happy End: medi unterliegt Estudiantes 84:90

Aufholjagd nach völlig misslungenem 1. Viertel kostet Heroes Of Tomorrow zu viel Kraft

Wie schon beim Bundesliga-Gastspiel am Sonntag in Bremerhaven, musste medi bayreuth auch am 5. Spieltag in der Basketball Champions League im Heimspiel gegen Movistar Estudiantes in die Verlängerung. Im Gegensatz zur BBL-Partie hatten diesmal jedoch der Gegner der Heroes Of Tomorrow nach den fünf Extra-Minuten das bessere Ende für sich. 84:90 (33:50, 82:82) hieß nach 45 Minuten für die Gäste aus Spanien, die in der Tabelle der Champions League Gruppe C so mit drei Siegen und zwei Niederlagen zu medi bayreuth aufschließen konnten.

Für die 2.509 Zuschauer in der Oberfrankenhalle war diese Partie, wie schon das erste Heimspiel gegen Straßburg (wenn auch in Bamberg ausgetragen) ein wahrer Thriller. Und das, obwohl es zu Beginn des Spiels alles andere als gut für die Heroes Of Tomorrow ausgesehen hatte. Während die Gäste aus Spaniens Hauptstadt von der ersten Sekunde an ihren Spielrhythmus gefunden hatten, lief beim Team von Head Coach Raoul Korner zu Beginn des Spiels so gut wie nichts zusammen. Es fehlte an Energie, an Intensität sowohl in der Verteidigung als auch in der Offensive, wo man ideenlos und viel zu statisch agierte.

Nachdem die erste Halbzeit so überaus klar zugunsten der Gäste ausgegangen war, wachten die Heroes Of Tomorrow in der zweiten Halbzeit jedoch auf und kämpfte sich, ähnlich dem Spiel in Bremerhaven, bravourös zurück in die Partie. In den letzten knapp vier Minuten der regulären Spielzeit gestattete man Estudiantes keinen einzigen Zähler mehr und erzwang so die Verlängerung.

Hier nahm dann auf Seiten der Spanier jedoch der NBA-erfahren Omar Cook das Schicksal seines Teams in die Hand und führte Estudiantes zum insgesamt auch verdienten Sieg in der Oberfrankenhalle.

Das sagt Nate Linhart:

“Madrid war ein richtig guter Gegner. Wir haben bis zum dritten Viertel gebraucht, um zu verstehen, was hier passiert und um unser Spiel zu spielen. Es hat uns heute viel Energie gekostet, und das hat man in der Verlängerung dann auch gemerkt. Es gibt viele Dinge, die wir besser machen müssen. Madrid hat am Anfang einfach besser gespielt, das muss man anerkennen. Sie haben von Beginn an Ihr Spiel durchgezogen.”

Das Spiel kurz zusammengefasst

Das erste internationale Pflichtspiel in Bayreuth seit 1996 war für die Fans in der Oberfrankenhalle zunächst schwere Kost. Im Gegensatz zu den Heroes Of Tomorrow, die wie am Sonntag nicht ins Spiel fanden, war Estudiantes hellwach und übernahm von Anfang an die Kontrolle auf dem Feld. Hochprozentige Trefferquoten, deutliche Vorteile bei den Rebounds und bis zu 20 Punkten Vorsprung sorgten für klare Verhältnisse: 11:29 hieß es nach einseitigen zehn Minuten.

Auch im zweiten Abschnitt kam das Team von Head Coach Raoul Korner nicht ins Spiel. Lücken in der Defense, schlechte Wurfauswahl und individuelle Fehler führten zu einem 23-Punkte-Rückstand (22:45, 17.). Erst nun spürte man einen Ruck durch das Team gehen. Vor allem Nate Linhart übernahm nun die Initiative. Bis zur Pause erzielte er sieben Punkte, medi gewann das Viertel mit einem Zähler Vorsprung, doch nach 20 Minuten lag man weiterhin deutlich mit 33:50 zurück.

Über Andreas Seiferth fanden die Heroes Of Tomorrow nach dem Seitenwechsel ins Spiel zurück. Nach einem Dreier von Gabe York hieß es nur noch 46:59, aber die Madrilenen zogen zunächst wieder davon. Als nach einem Doreth-Dreier und anschließendem Zuspiel auf De’Mon Brooks der Rückstand beim 53:63 (28.) auf zehn Punkte geschmolzen war, stoppte Gäste Coach Salva Maldonado das Spiel mit seiner ersten Auszeit. Ein weiterer Dreier von Gabe York sorgte vor dem letzten Viertel nicht nur für neue Energie, sondern verkürzte den Rückstand auch auf nur noch neun Punkte (60:69).

Und medi kam immer näher heran. Steve Wachalski von jenseits der 6,75 Meter, anschließend Gabe York per Layup: nur noch vier Zähler Rückstand. Mit fünf Zählern in Folge antwortete Alec Brown jedoch eiskalt für die Gäste. Nate Linhart konterte per And-One zum 70:74 (35.), doch mit zwei Dreiern in nur 18 Sekunden (Cook, Arrieta) hatten auch hier die Spanier eine immens starke Antwort. medi bewies jedoch abermals Moral. Vier Minuten gestattete man den Gästen keinen Zähler mehr und schaffte 59 Sekunden vor dem Ende durch Gabe York sogar das für nicht mehr möglich Geglaubte: den 82:82 Ausgleich - Verlängerung!

In den fünf zusätzlichen Minuten war Estudiantes dann aber das bessere Team. Omar Cook brachte sein Team mit einem schnellen Dreier auf die Siegerstraße. medi ging nun ganz einfach die Puste aus und die Spanier konnten 87 Sekunden vor Ende, durch ihren besten Schützen, Sylven Landesberg, auf sechs Punkte davonziehen und für die Entscheidung sorgen.

Die spielentscheidenden Faktoren

Das 1. Viertel: Es dauerte dreieinhalb Minuten, bis die Heroes Of Tomorrow ihren ersten Korberfolg erzielen konnten. Nach fünf Minuten lagen die Spanier so schon zweistellig in Front. Auch mittels zweier Auszeiten innerhalb von nur 90 Sekunden vermochte es Head Coach Raoul Korner nicht, die Heroes Of Tomorrow wachzurütteln. Ob offensiv oder defensiv, die Gäste waren stets einen Schritt schneller, einen Tick wacher und mit einer Wurfquote von 70 gegenüber 31 Prozent auch deutlich effektiver. Nach acht Minuten wuchs der Rückstand für medi sogar auf 20 Zähler an. Hier war wieder einmal Topscorer Sylven Landesberg für die Spanier erfolgreich.

Dreier: Ein Schlüssel zum Sieg für Madrid waren die Dreier. Bereits fünfmal netzten die Gäste im ersten Viertel ein, insgesamt fielen zwölf ihrer Würfe von jenseits der 6,75 Meter Linie. Vor allem in den engen Situationen der zweiten Halbzeit, wussten die Spanier ihren Distanzwurf als probates Mittel einzusetzen. Immer, wenn medi bayreuth dran war, den Rückstand zu verringern, schlug ein Dreier der Spanier im Bayreuther Korb ein. medi bayreuth hingegen hatten zwar auch wichtige Dreier, die zur Verlängerung führten, in der Overtime aber auch Pech, als sich ein eigentlich schon verwandelter York-Distanzwurf wieder aus dem Korb heraus drehte. Dieser hätte die Heroes Of Tomorrow 48 Sekunden vor dem Ende nochmals auf drei Zähler herangebracht.

Omar Cook: Über zehn Punkte legt der Point Guard der Madrilenen im Schnitt in der Basketball Champions League auf, am Dienstagabend tauchte er zunächst ab. Zu den 50 Punkten zur Halbzeit steuerte er keinen Punkt bei und auch nach regulärer Spielzeit standen nur fünf Zähler für ihn auf dem Tableau. Doch die Verlängerung begann mit einem Cook-Dreier, kurz darauf steuerte er noch einen Freiwurf bei und führte sein Team in der Overtime zum Sieg.

Trainerstimmen

Salva Maldonado (Movistar Estudiantes): “Ich denke, wir haben heute ein tolles Spiel gesehen. Wir haben in der erste Halbzeit die passende Intensität gezeigt. Wir haben sehr gut gespielt und hatten die Kontrolle über das Spiel: egal ob in der Defense, im Fast Break oder bei offenen Würfen. In der zweiten Halbzeit hat Bayreuth mehr Intensität und Aggressivität gezeigt und sie haben ihre offenen Würfe getroffen. Bayreuth musste, wie am Sonntag, in die Verlängerung, und war am Ende etwas müde. Wir haben zwar auch am Sonntag gespielt, aber schon am Mittag und ohne Verlängerung. Das hat in der Verlängerung den Unterschied ausgemacht.”

Raoul Korner (medi bayreuth): “Gratulation an Estudiantes zum Sieg. Das war heute für uns das dritte Spiel in Serie, in dem wir in der ersten Halbzeit 50 oder mehr Punkte zugelassen haben. Wir müssen einen Weg finden, besser gesagt ich muss einen Weg finden, um das zu ändern. Erst in der zweiten Halbzeit haben wir Charakter gezeigt und unser Spiel gespielt. Manchmal geht so etwas gut, manchmal nicht. Zweimal hat es in dieser Saison schon geklappt, heute nicht. Die Art und Weise, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war absoluter Mist. Wir haben wie ein Streetball-Team gewirkt, das zum ersten Mal zusammen gespielt hat. Wir haben keine Offense gespielt, wir haben den Ball nicht bewegt, wir standen in der Defensive nur herum und waren zu spät. Wir hatten keine Energie, haben geschlafen und ein furchtbares Bild abgegeben. Ich habe der Mannschaft in der Halbzeit gesagt, dass unsere einzige Chance ist, wenn Madrid unsere Leistung nach dem beurteilt, was sie in der ersten Hälfte gesehen haben. Nur wenn sie denken, dass sie uns mit halber Kraft schlagen können, haben wir eine Chance.  Wir haben uns selbst bewiesen, dass wir dazu in der Lage sind, das Spiel zu drehen. Es ist kein Geheimnis, dass dieses Team Charakter hat, das wissen wir. Wir müssen nun aber herausfinden, wie wir besser ins Spiel kommen und die Art von Basketball spielen, die uns erfolgreich macht.”

medi bayreuth vs. Movistar Estudiantes 84:90 n.V. (11:29 - 22:21 - 27:19 - 22:13 - 2:8)

medi bayreuth:

LINHART 21 (9 Rebounds, 5 Assists, 3 Steals), YORK 20 (5 Assists), SEIFERTH 14, Wachalski 12, BROOKS 6, McCrea 4, Doreth 3 (5 Assists), ROBINSON 2, Cox 2, Adler.

Dreier: York 3, Linhart 2, Wachalski 2, Doreth 1.

Movistar Estudiantes:

LANDESBERG 22, SUTON 14, Brown 13, Arrieta 10 (6 Rebounds, 3 Steals), COOK 9, Savane Sagna 8, AYALA 5, CANER-MEDLEY 4 (6 Rebounds, 5 Assists), Hakanson 3, Pena Rincon 2, Arteaga Gonzalez, Sola Iddrisu.

Dreier: Brown 3, Cook 2, Suton 2, Landesberg 2, Arrieta 2, Hakanson 1.

Ausblick

Bereits in vier Tagen öffnen sich die Türen der Oberfrankenhalle erneut für ein Spitzenspiel - dann gastiert ALBA BERLIN in Bayreuth. Im Duell Fünfter gegen Zweiter treffen am Samstag ab 20:30 Uhr zwei Teams aufeinander, die im bisherigen Saisonverlauf in der easyCredit BBL erst zwei Spiele verloren haben. Karten gibt es unter tickets.medi-bayreuth.de.