Foto: Christian Haberkorn

Raoul Korner auf Spielersuche in den Vereinigten Staaten von Amerika

medi Head Coach auf dem Weg zur NBA Summer League nach Las Vegas

Dieser Termin ist bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil im Kalender von medi Head Coach Raoul Korner. Mit dem Besuch der NBA Summer League in Las Vegas, Nevada biegt der Österreicher im Rekrutierungsprozess der neuen Mannschaft nur wenige Wochen vor dem Trainingsauftakt sozusagen auf die Zielgerade ein.

Raoul, wie steht es aktuell um deine Energie nach der langen, aber auch unglaublich tollen Vorsaison? Gab es Zeit ein wenig auszuspannen und die Akkus wieder aufzuladen?

Da wir sehr viele Positionen neu besetzen müssen, gibt es für mich trotz Off-Season natürlich jede Menge zu tun. In der Zwischenzeit haben wir drei der sechs vakanten Positionen nachbesetzt, was ich von Wien aus gemacht habe. Obwohl es mit Urlaub nichts zu tun hat, genieße ich die Luftveränderung und freie Zeiteinteilung mit Familie und Freunden und kann so viel Energie aufladen. Wie fast jeden Sommer war ich eine Woche in Kroatien, wo es mir tatsächlich gelungen ist, keine Spieler anzuschauen und meinen Computer nur selten aufzudrehen. Das reicht mir, dass die Akkus wieder voll sind.

Wie lang ist in diesem Jahr die Liste im Gepäck mit den zu erledigenden Aufgaben und Verpflichtungen?

Wie schon erwähnt suchen wir noch drei Positionen: einen Point Guard, einen Flügelspieler und einen Center. Auf jeder Position gibt es mehrere Kandidaten, von denen ich einige in Las Vegas sehen werde. Dazu wird es eine Reihe von Treffen mit Coaches und Agenten geben. Die Langeweile wird sich also in Grenzen halten.

Wie steht es um Assem Marei, James Robinson und Nate Linhart? Könnte womöglich doch noch einer dieser drei bleiben?

Bezüglich Assem kann ich jedem gleich einmal die Illusion nehmen, dass da eine Chance besteht, seinen Vertrag noch einmal zu verlängern! Er hat bereits Angebote auf dem Tisch, die sich weit jenseits unserer finanziellen Möglichkeiten abspielen. Er wird einen riesengroßen Gehaltssprung diesen Sommer machen und ist definitiv weg.

Bezüglich Nate und James halte ich es zum jetzigen Zeitpunkt für äußerst unwahrscheinlich, dass wir sie auch kommende Saison in Bayreuth sehen werden, aber im Gegensatz zu Assem besteht hier wenigstens noch eine theoretische Chance, auch wenn es keine große ist.

Nik Raivio, Kassius Robertson und Gregor Hrovat heißen unsere ersten drei, wirklich vielversprechenden Neuzugänge. Gestaltet sich das Rekrutieren für dich nach diesen beiden außerordentlich erfolgreichen Spielzeiten nun etwas einfacher, oder wird es womöglich von Jahr zu Jahr schwerer?

Einerseits hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass Bayreuth eine gute Adresse für ambitionierte Spieler ist. Das war auch bei den ersten drei Verpflichtungen zu spüren.

Andererseits habe ich den Eindruck, dass durch die steigenden Gehälter in der G-League und die wachsende Attraktivität des asiatischen Marktes der Wettbewerb gewachsen ist und damit die Preise steigen. Es wird daher immer wichtiger, Geduld im Rekrutierungsprozess haben zu können, denn selten war der Spruch "Zeit ist Geld" so zutreffend wie hier.

Wie viel Spaß macht es dir, Jahr für Jahr auf die Suche nach neuen Spielern zu gehen?

Natürlich wäre es mir lieber, einen Großteil des Teams zusammen zu halten, um kontinuierlich arbeiten zu können, aber das ist meist nur ein frommer Wunsch.

Irgendwie gehört es mittlerweile für mich zum Sommer dazu, Spieler zu scouten, herum zu telefonieren und am Team zu basteln. Man kann sich das wie ein großes Puzzle vorstellen: du hast ein paar Teile zusammen und suchst von da aus die fehlenden Stücke, damit sich am Ende ein möglichst schönes Gesamtbild ergibt. Das macht schon Spaß, ist aber auch manchmal frustrierend, vor allem wenn eines der letzten Puzzleteile irgendwo versteckt ist und man ewig suchen muss...

Neben der Spielersuche geht es in Las Vegas ja darum, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu pflegen. Wieviele Termin hast du schon ausgemacht, um dich mit Agenten, Spielern bzw. Kollegen auszutauschen?

Ich werde im Rahmen der Summer League, ausgewählter sogenannter "Free-agent-Camps" und einiger "Individual workouts" mit unzähligen Agenten, Spielern und Trainern zusammen kommen. Diese Treffen werden vorher grundsätzlich ausgemacht, aber meist erst vor Ort konkretisiert. Wenn ich alle Leute dort tatsächlich treffe, die mich treffen wollen, komme ich erst im Dezember wieder zurück. Dementsprechend selektiv und gut organisiert muss ich vorgehen.

Wirst du die Zeit in Vegas auch dazu nutzen, den ein oder anderen Dollar zu setzen?

Fürs Spielen war eher Philipp Galewski zuständig, der diesmal ja leider nicht mitkommt! :-) Ich bin nicht so der Spieler und setze meine Dollar lieber in einem der zahlreichen Factory-Outlets ein ...

Wenn aber doch: Roulette, Poker, Blackjack, Slots … was wird es sein?

Obwohl ich sehr gerne Poker spiele (Texas Hold'em), bin ich viel zu geizig, als dass ich mich dort von Profis ausnehmen lasse.

Sollte ich einmal ein paar Minuten zu überbrücken habe, werde ich vermutlich einen Dollar in eine Slotmachine stecken, um nach ein paar Minuten drauf zu kommen, dass es einen Grund hat, warum Casinos wirtschaftlich so erfolgreich sind.