Wie zufrieden ist Head Coach Raoul Korner bislang mit der Saisonvorbereitung?

Ein Zwischenfazit nach Trainingslager und ersten Testspielen

Wie zufrieden bist du mit der vergangenen Woche?

Teils teils, mit dem Einsatz und der Einstellung der Leute bin ich sehr zufrieden, auch mit dem Fortschritt, den wir bis jetzt erzielen konnten. Auf der anderen Seite bin ich natürlich nicht glücklich darüber, dass noch immer nicht alle am Training teilnehmen konnten. So war James Robinson für ein paar Tage nicht aktiv dabei. Zunächst bestand bei ihm sogar der Verdacht, dass was mit dem Meniskus sei, zum Glück hat sich das nicht bestätigt und nach ein paar trainingsfreien Tagen, konnte er wieder eingreifen. Charles Cook hat sich unglücklich die Hand am Ring aufgerissen und war für ein paar Tage nicht dabei und mit Reid Travis beginnen wir jetzt erst langsam das Aufbautraining, das heißt, er nahm nicht am Mannschaftstraining teil. Das hat es natürlich für uns als Team nicht einfach gemacht, hier wirklich große Fortschritte zu erzielen.  

Wie intensiv ist für dich die Vorbereitung für ein derartiges Trainingslager, gerade im Hinblick darauf, dass mit Andi, Basti und auch James einige Spieler schon einmal oder sogar mehrmals mit dir in Innsbruck waren?

Da wir die Örtlichkeit schon gut kennen und vor Ort genau gewusst wird, was wir wollen, ist die Vorbereitung für mich nicht besonders intensiv. In diesem Jahr haben wir die Bergtour,
auf Grund des schlechten Wetters ausfallen lassen, da sie im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel. Stattdessen waren wir als Team zusammen Laser Tag spielen.

Welchen Stellenwert nimmt das Trainingslager im Hinblick auf die Vorbereitung und oder auf die Integration der neuen Spieler ein?

Einen sehr großen, da das Team die Gelegenheit hat, eine Woche miteinander zu verbringen. Man lernt sich natürlich besser kennen, wenn jede freie oder auch nicht freie Minute miteinander verbracht wird. So gesehen ist es, gerade, was sie sozialen Aspekte angeht, eine sehr intensive Woche. Es bringt eine Mannschaft eigentlich immer weiter und deshalb mache ich das ganz gerne.

Kannst du uns einen Einblick ins Trainingslager gewähren? Wie sieht ein typischer Tag in Innsbruck für euch aus?

Der Trainingsumfang ist der gleiche, den wir auch hier in Bayreuth haben, nämlich zweimal täglich. Unser Trainingstag ist relativ unspektakulär. Um 9:00 Uhr gab es Frühstück, um 10:30 Uhr begann dann die erste Einheit, wobei diese immer im Zeichen der Athletik stand. Das dauerte ungefähr zwei Stunden, eine Stunde nach Trainingsende gab es Mittagessen und eine Ruhepause. Diese konnten die Spieler so nutzen, wie es ihnen gefiel. Manche gingen zusammen in die Stadt zum Sightseeing oder tranken zusammen einen Kaffee, andere ruhten sich einfach etwas aus. Die zweite Trainingseinheit fand dann um 18:00 Uhr statt, danach konnte man noch den regenerativen Bereich, also Sauna oder ähnliches, nutzen.

Letzte Saison konnte man von dir des Öfteren hören, dass die Vorbereitung alles andere als optimal verlaufen ist, wie zufrieden bist du in diesem Jahr?

Bis jetzt geht es leider in eine ähnliche Richtung. Letztes Jahr war es so, dass einige Spieler schwerer verletzt waren. Damit uns das dieses Jahr nicht wieder passiert, sind wir sehr vorsichtig, zum Beispiel mit Reid, um wirklich kein Risiko einzugehen. Dass Spieler immer etwas später zum Team stoßen, ist leider jedes Jahr so, deshalb beginne ich meine Vorbereitung auch gerne sehr frühzeitig. Ich hoffe, dass wir Ende dieser Woche, Anfang nächster Woche alle komplett sind. Wenn uns das gelingen sollte, bin ich recht optimistisch, was die Vorbereitung angeht. Ansonsten wird es leider wieder etwas Improvisation und dann müssen wir schauen, dass wir das Beste daraus machen.

Du warst unlängst in deiner Funktion als österreichischer Nationalmannschaftstrainer mit dem Team im Trainingslager, was unterscheidet dieses vom Jetzigen mit medi?

Es gibt einen gewaltigen Unterschied. Training mit einem Nationalteam ist immer etwas anderes als mit einer Vereinsmannschaft. Die Nationalmannschaft siehst du eine, maximal zwei Wochen am Stück und dann über eine längere Periode gar nicht. Für die Nationalspieler ist es etwas ganz Besonderes, ihr Land zu vertreten. Bei der Vereinsmannschaft weißt du, dass die nächsten zehn Monate zusammen verbracht werden. Für mich war es jetzt auch unterschiedlich, da es neu war. Ich kenne die Spieler zwar alle, aber habe mit den meisten noch nie zusammengearbeitet und das ergibt natürlich einen neuen Impuls.

Ist das Coaching der Nationalmannschaft schwieriger als das mit der Vereinsmannschaft?

Es ist anders, da man nicht so lange Zeit hat, sich vorzubereiten. Innerhalb kürzerer Zeit muss man einfachere Dinge umsetzten, während man mit dem Verein im Idealfall mehrere Wochen Zeit hat sich vorzubereiten und seine Automatismen zu entwickeln. Bei der Nationalmannschaft muss man innerhalb von wenigen Tagen ein Konzept entwickeln.

Was ist für dich das Wichtigste bei einem Trainingslager, damit du sagen kannst, es war erfolgreich?

Der wichtigste Punkt stellt natürlich der soziale Faktor dar, die Spieler haben im Trainingslager die Möglichkeit sich besser kennenzulernen. Damit es für mich erfolgreich ist, ist es wichtig, dass sich niemand verletzt und dass man sich als Mannschaft verbessert hat. Es ist essentiell, dass man Fortschritte im sozialen Bereich macht, deshalb übernehme ich zum Beispiel auch die Zimmerverteilung. Ich schaue, dass diejenigen, von denen ich ausgehe, dass sie sich im Normalfall nicht ein Zimmer teilen würden, zusammenkommen.
Aber natürlich ist es auch wichtig, dass man basketballerisch einen Schritt nach vorne macht. Im Grunde einfach, dass eine bessere Mannschaft zurückkommt.

(Das Interview führte Ina Stöhr)