Foto: Christian Haberkorn

Der Geschäftsführer der HEROES OF TOMORROW im Interview

Björn Albrecht beantwortet einige der aktuell wichtigsten Fragen

Wie kann man die aktuelle wirtschaftliche Situation von medi bayreuth beurteilen?

Wie bei allen Clubs in der Liga ist und bleibt die Lage sehr angespannt. 

Mit den lebenserhaltenden Maßnahmen der vergangenen Wochen (Kurzarbeit, Kosteneinsparprogramm, Auflösung Spielerverträge, etc.) konnten wir die wirtschaftliche Lage erst einmal stabilisieren. Das verschafft uns die nötige Luft, um uns auf die Planungen für die neue Spielzeit zu konzentrieren. Spätestens ab August benötigen wir „frisches Geld“ in Form von Erlösen aus dem Sponsoring und aus dem Dauerkartenverkauf um unsere laufenden Fixkosten und die Ausgaben für das Team und den Spielbetrieb zu decken. Hier beginnt die große Herausforderung vor der wir stehen. 

Wie ist das zu verstehen?  

Noch immer ist nicht absehbar wann und unter welchen Bedingungen der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann und eine neue Saison stattfindet. Auch ist unklar, ab wann es möglich sein wird mit Zuschauern zu spielen bzw. unter welchen Bedingungen dies passieren kann. Die easyCredit Basketball Bundesliga selbst ist aufgrund der unklaren Perspektive noch nicht in der Lage, einen belastbaren Spielplan zu entwickeln und diskutiert verschiedene Szenarien. Weiterhin haben wir ein großes Fragezeichen, inwieweit die Liga die Lizenzierungsauflagen und Kriterien an die Situation anpasst. Stichwort Mindestetat, Eigenkapitalbasis, Personalausstattung etc.

Wie viele Teams werden die kommende Saison wirtschaftlich schaffen? 

Wie werden in ein paar Monaten die Reisebedingungen in Europa und der Welt aussehen in Bezug auf mögliche internationale Wettbewerbe? 

Wie verändert sich das Gehaltsniveau auf dem Spielermarkt und wie verhalten sich die Spieler? Alles dies sind wesentliche Fragen, die derzeit niemand beantworten kann.

Im Wesentlichen benötigen wir vor allem wirtschaftlich Klarheit, um entsprechend agieren zu können. Diese Klarheit werden wir vorerst nicht bekommen und tappen daher weiterhin sprichwörtlich im Dunkeln. Eine Situation die wir mit den anderen Bundesligisten teilen.

In Bamberg hat man vom Rückzug von Michael Stoschek als Gesellschafter gehört. Wie steht es in Bayreuth im Hinblick auf Gesellschafter und Sponsoren, zum Beispiel auch Brose?

Der Rückhalt unseres Gesellschafters Carl Steiner ist groß. Er bringt sich in dieser Krise mit unglaublich hohem persönlichen Engagement und Herzblut für den Bayreuther Basketball ein. Dafür kann ich mich nur ganz herzlich bedanken. In Bezug auf Brose als Sponsor von medi bayreuth kann ich derzeit noch keine Aussage treffen. Da versuchen wir ebenfalls in den kommenden Wochen Klarheit zu bekommen. Aber auch Brose ist erheblich von der Krise betroffen. Aktuell nutze ich die Zeit, um Gespräche mit unseren Sponsoren für eine Einschätzung der Lage zur wirtschaftlichen Situation zu führen. Die Corona Krise betrifft natürlich nicht nur uns, sondern so gut wie alle unsere Partner, vom Hauptsponsor medi über den kleinen Mittelständler bis hin zum Handwerksbetrieb. Man muss sehen, dass wir etwa 70 Prozent des Etats über unsere Partner abdecken und diese damit den wesentlichen Beitrag leisten. Für einen Großteil unserer Sponsoren steht das Live Erlebnis in der Halle im Mittelpunkt, sich und seine Botschaften den Zuschauern vor Ort zu präsentieren und das Netzwerk bei den Heimspielen im VIP Bereich zu nutzen, sind dabei zentrale Aspekte. Wenn dies alles aufgrund von einer hohen Anzahl an Geisterspielen wegfallen würde, dann ist die Gefahr groß, dass wir neben Einbußen bei den Zuschauereinnahmen einen massiven Einbruch im Sponsoringetat sehen werden. Wir sind also in hohem Maße davon abhängig mit Zuschauern und Sponsoren in der Halle spielen zu können. Die Kernfrage ist, wann kann das sein? 

Nachdem die Saison für medi bayreuth beendet ist, wie geht es für die Dauerkartenbesitzern weiter und welchen Ausblick kann man für die neue Dauerkarte geben? 

Erst einmal möchte ich mich bei allen Fans und Dauerkartenbesitzern, aber natürlich auch bei unseren Sponsoren ganz herzlich bedanken, die zum allergrößten Teil auf Rückzahlungsansprüche für die abgelaufene Saison verzichten. Sollte es noch Fans geben, die ihre Dauerkarte/n anteilig erstattet haben möchten, so können sie dies über die Geschäftsstelle tun. Wir wickeln alle Anfragen möglichst zügig ab. Wir bitten jedoch aufgrund der Kurzarbeit im Backoffice diese Anfragen ausschließlich per Mail an geschaeftsstelle@medi-bayreuth.de zu richten.

Natürlich habe ich großes Verständnis dafür, dass unsere Dauerkartenbesitzer wissen wollen, wie es in den kommenden Wochen und Monaten mit der Dauerkarte weitergeht. Angesichts der oben beschriebenen Fragezeichen zum Spielplan und den Bedingungen zu denen wir Zuschauer wieder dabei haben können, arbeiten wir an einem Dauerkartenmodell, welches die Situation bestmöglich für den Fan berücksichtigt und uns dennoch finanzielle Planungssicherheit gibt. Wann wir ein konkretes Dauerkartenmodell anbieten können, hängt aber im wesentlichen vom Bundesliga Spielplan ab, der momentan noch nicht vorliegt. Wir haben erst einmal die Kündigungsfrist der Dauerkarte vom 15. Mai ausgesetzt und hoffen schnellstmöglich ein konkretes Modell für unsere Fans anbieten zu können.

Mit welchen Spielern hat man denn noch Vertrag bzw. mit wem plant man?

Mit Bastian Doreth und Lukas Meisner stehen nur noch zwei Profis für die kommende Spielzeit unter Vertrag. Bei Lukas gibt es eine Ausstiegsoption bis Mitte Juni. 

Alle Verträge mit den amerikanischen Spielern wurden bekannterweise aufgelöst. Die Verträge mit Andreas Seiferth und Joanic Grüttner Bacoul laufen nun aus. Durch die unklare Situation mussten wir alle Gespräche mit Spielern für die neue Saison zunächst auf Eis legen. Gerade Andi würden wir ebenfalls sehr gerne wieder in Bayreuth sehen. Von Seiten der Nachwuchstalente haben wir mit Nico Wenzl einen super Typen unter Vertrag, der sicherlich von der Situation am Ende profitieren kann. Mit allen anderen Talenten laufen die Verträge ebenfalls jetzt aus und wir werden in Gespräche gehen, sobald die Situation dies zulässt.

Wann kann man als Fan mit Aussagen rechnen, wann, mit wie vielen Teams, in welchem Modus und natürlich auch ob mit Zuschauern oder nicht die kommende Saison starten wird?

Es ist schwer definitive Zeitrahmen zu nennen, da wir von vielen Dingen abhängig sind, die wir nicht beeinflussen können und sich Situationen auf Grund der Dynamik der Pandemieentwicklung ständig überholen. Wir hoffen hinsichtlich Spielplan und Modus bis Ende Juni aussagefähig zu sein. Wir sind aber Teil eines Systems, einer Liga, einer Gesellschaft und daher von anderen abhängig. 

Plant man bei medi bayreuth nur für die easyCredit BBL oder auch für die ProA? 

Unser Fokus und unser gesamtes Engagement sind für die erste Liga ausgerichtet. Wir sind optimistisch auch weiterhin als fester Bestandteil der easyCredit BBL bestehen zu bleiben. Im Übrigen werden durch die Corona Situation die Rahmenkriterien für die erste und zweite Liga nicht weit voneinander entfernt sein. Bayreuth ist ein etablierter Erstligastandort und wir setzen alles daran, das zu erhalten. Die sportliche Qualifikation haben wir mit dem 12. Platz der Abschlusstabelle sicher erreicht. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, ist für die erste wie zweite Liga gleichermaßen herausfordernd.

Was gibt es abschließend noch zu sagen?

Die aktuelle Situation fordert uns alle bis an die Grenzen und manchmal auch darüber hinaus. Wir haben eine solche Situation noch nicht erlebt und daher keine Erfahrungswerte wie man damit umgeht. Leider sind Großevents wie Konzerte, aber auch Basketballveranstaltungen mit  viel Publikum der Bereich, der wohl zuletzt wieder geöffnet wird und ein normaler Betrieb ermöglicht werden kann. Bei uns steht vieles still, was uns bisher ausgemacht hat. Das fängt beim Training der Jugendmannschaften und unseren wöchentlichen Schul-AGs an und geht über die Heimspiele der Mannschaft von Raoul Korner bis hin zu Sponsorennetzwerkveranstaltungen.  

Gerade das Thema Kommunikation ist in den vergangenen Wochen zu kurz gekommen. Auch uns fehlt der persönliche Austausch mit den Fans, den Sponsoren, mit allen. In der Organisation haben wir den Geschäftsbetrieb über Kurzarbeit auf das nur allernotwendigste reduzieren müssen. Wir haben in dieser chaotischen Zeit sicherlich nicht alles richtig gemacht, dennoch möchte ich Ihnen versichern, dass alle Beteiligten nur eins im Sinn haben: den Erstligastandort Bayreuth zu erhalten, mit all seinen Facetten. Danke für den positiven Zuspruch, danke für das Verständnis in dieser Ausnahmesituation. Wir bauen auf Sie und haben gemeinsam eine gute Chance gestärkt aus der Krise zu kommen.